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Jasper Oostland

Jasper Oostland Ein sonnenbadendes Seepferdchen in Badeanzug am Strand, ein in einer leeren Stadt herumlaufender Bär, ein nachdenkliches Kaninchen in einem Armsessel, ein Hase auf einer Trittleiter, ein Krokodil in einer roten Jacke auf einem Jetski, ein Chamäleon unter einem Regenschirm, ein erschöpfter, in eine Regenjacke gehüllter, rotäugiger Baumfrosch schiebt einen vollen Einkaufswagen vor einem Supermarkt oder steht sein eigenes Spiegelbild anstarrend und mit entblößtem Oberkörper im Badezimmer”¦

Das Werk des jungen Groninger Künstlers Jasper Oostland (1976) lässt einen mindestens lächeln, wenn nicht gar in lautes Lachen ausbrechen. Mit seiner Kunst, in der er Tiere in einer menschlichen Situation darstellt, hat er seinen ganz eigenen Stil entwickelt: minutiös und treffsicher gezeichnet, comichaft, voll Farbe und geistreichen, humorvollen Details. Oostland versteht es in seinen Werken den Anfang einer Geschichte zu schaffen und überlässt es dem Betrachter diese selbst fortzusetzen. An Inspiration fehlt es nicht: die Formel scheint unerschöpflich und umfasst die wildesten Kombinationen, die zusammen mit großem, fachlichen Können verfremdete, aber vor allem überraschende und verlockende Bilder ergeben.

Jasper baut seine Gemälde mit vielen transparenten Farbschichten auf. Er malt mit Acryl auf Papier, am liebsten 30x30cm, ein handliches Format, das zum Zusammenstellen von Kombinationen oder Mosaiken einlädt. In der letzten Zeit wagt er sich auch an größere Arbeiten. Seit seinem Abschluss 1999 an der Groninger Kunstakademie Minerva, hat Jasper Oostland sehr großen Erfolg mit seinem Werk.


(Der Kunsthandel April 2016)Die menschlichen Frösche von Jasper Oostland

Seine Inspirationsquelle? Jasper ist da eindeutig: „Das kann alles Mögliche sein: von zwei Farben auf einem Werbeschild bis hin zu einem Film. Meistens habe ich bereits ein bestimmtes Tier und eine Szene in Gedanken, bevor ich mit der Recherche für ein Gemälde anfange. Ich suche dann in Büchern und Zeitschriften nach einer entsprechenden Abbildung, die als Grundlage dienen kann. Heutzutage hole ich mir oft Bilder aus dem Internet.”
Die Szene wird meistens anders als seine ursprüngliche Vorstellung, weil ihn die gefundenen Skizzen oder Abbildungen zu neuen Ideen anregen.

Mit einer Skizze auf Papier fängt er selten an: Meistens wird der Entwurf direkt auf die Leinwand gezeichnet, oft mit Buntstift, bevor Jasper es mit der Farbe ausarbeitet. Zunächst ein paar Linien oder Kreise, um die Komposition festzulegen, dann die Feinarbeit bis hin in die Details. Auch findet er es angenehm, auf diese Art schon mal in Farbstimmung zu kommen anstelle des Schwarz-Weiß-Gefühls. „Wenn alles seinen Platz hat, zeichne ich die echten Linien mit einem Zeichenbleistift: hart oder weich je nach Deckungsgrad der Acrylfarbe, die danach für den Untergrund verwendet wird.”

„Sobald alles genau richtig drauf steht, wird die exakte Untergrundfarbe gemischt und in mehreren Schichten auf der Leinwand aufgetragen. Diese Farbe leuchtet später an verschiedenen Stellen durch das Gemälde hindurch. Oft ist das eine ziemlich kräftige Farbe, die dem Bild eine lebendige Glut verleiht.”
Bei den meisten Teilen des Gemäldes arbeitet Jasper von Dunkel nach Hell, also zuerst die Schattenpartien und ganz am Schluss das Hochweiß. „Es wird oft angenommen, dass ich die Figuren einfach auf einen gleichmäßigen Hintergrund male und dann alles fertig ist. Aber das stimmt nicht.”

„Die definitive Hintergrundfarbe des Gemäldes wird zunächst mit einem feinen Pinsel um die Figur und eventuelle Gegenstände herum aufgetragen und dann mit einem größeren Pinsel weiter zum Rand hin ausgemalt. Dies ist eine ganz bewusste Wahl, damit die Untergrundfarbe sowohl durch die Abbildung als auch durch die Hintergrundfarbe hindurchschimmern kann. Wenn ich das anders machen würde, lägen die gemalten Abbildungen wie Klebebildchen auf der Hintergrundfarbe.” Und er ergänzt: „Wahrscheinlich fällt es den meisten Menschen gar nicht auf und es ist viel mehr Arbeit. Aber ich will schließlich auch selbst damit zufrieden sein können.”

Gibt es ein Lieblingsgemälde?
„Meistens verliere ich das Interesse an einem Bild, sobald es fertig ist. Ich beschäftige mich immer nur mit dem Werk, an dem ich gerade arbeite. Es gibt allerdings schon Werke, die mir besonders am Herzen liegen, beispielsweise ‚Parkbank‛. Alles, was ich ausdrücken möchte, ist darin vereint. Es stimmt einfach alles: die Komposition, die Farbe, das Gefühl. Die Haltung des Froschs, die von der langen Bank akzentuierte Sichtlinie, die Wirkung des Koffers und so weiter…”

Als Fulltime-Künstler steckt er viel Zeit in Promotionstätigkeiten; für ihn ein wichtiger Teil seiner Arbeit. Sein Vater, Eigentümer eines Möbelladens, hat einmal behauptet, dass er nach seinen Berechnungen sieben zusätzliche Stunden pro Tag nötig hätte, um für seine Arbeit alles tun zu können, was er gerne wollte. „Mir geht`s genauso”, sagt Jasper. „Ein Hoch auf die To-do-Liste!”
Jasper stellt in Galerien aus und organisiert auch selbst viele Ausstellungen, beispielsweise in öffentlichen Gebäuden wie größere Krankenhäuser, Bibliotheken usw. Natürlich kann man ihn - wie könnte es auch anders sein bei Jemanden, der die virtuelle Welt gern und viel benutzt – auch auf Facebook und seiner eigenen Website finden. „Das alles zusammen kostet ziemlich viel Zeit und immer mehr, als man vorher gedacht hatte.”

Warum sind Tiere, vor allem Frösche, das Hauptmotiv deiner Werke?
„Als ich die Kunstakademie besuchte, beschäftigte ich mich vor allem mit comicartigen Dingen. Ich zeichnete Karikaturen von Tieren. Irgendwann fing ich an, in meinen Bildern Frösche zu benutzen. Ich entdeckte dabei, dass sie keine Karikaturisierung nötig hatten und malte sie daher realistisch. Nach meiner Meinung ist das Lustige an Baumfröschen, dass sie ziemlich menschlich wirken. Sie haben Hände mit Fingern und dank ihrer grossen hervorstehenden Augen scheinen sie über die Welt nachzudenken. Zwar haben sie kleine Gehirne, in denen wahrscheinlich nicht ganz so viel passiert; indem ich sie aber aufrecht sitzen lasse, wirken sie sehr menschlich. Es ist mir wichtig, dass die Anatomie der Tiere, die ich male, intakt bleibt: Die Gelenke auf eine natürliche Weise biegen zu lassen und beispielsweise keine Gesichtsmuskeln dazu erfinden. Ein Frosch ist für mich ein geeignetes Tier, da er zum Beispiel eine Vase festhalten kann. Für ein Nashorn ist das schwieriger.”
Rian van Nieuwkerk

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